Wie man einen Vertrag für ein Freelance-Projekt schreibt (Ohne Anwalt und ohne Stress)
Einleitung: Ohne Vertrag sind Sie nackt. Aber Sie brauchen dafür keinen Anwalt.
Die meisten Freelancer arbeiten ohne Vertrag. Der Grund? „Ich möchte es nicht kompliziert machen." „Der Kunde würde denken, ich vertraue ihm nicht." „Ich habe kein Geld für einen Anwalt." „Ich weiß nicht, was ich in den Vertrag schreiben soll."
Und dann kommt der Moment, in dem der Kunde sagt: „Aber das haben wir nicht so vereinbart." Oder er zahlt nicht. Oder er möchte 10 Runden kostenloser Überarbeitungen. Oder er ändert den Umfang des Projekts auf das Doppelte — zum ursprünglichen Preis. Und Sie haben keinen Beweis, dass es anders vereinbart wurde.
Ein Vertrag ist kein juristisches Dokument von 20 Seiten. Es ist eine einfache schriftliche Bestätigung dessen, worüber Sie sich geeinigt haben. Und dafür brauchen Sie wirklich keinen Anwalt. Dieser Artikel zeigt Ihnen, was er enthalten sollte und wie Sie ihn einfach und verständlich schreiben können.
Hinweis: Dieser Artikel ist eine praktische Anleitung, kein rechtlicher Rat. Bei komplexen Projekten oder großen Beträgen konsultieren Sie bitte einen Anwalt.
1. Warum Sie einen Vertrag benötigen (auch wenn der Kunde ein „Freund“ ist)
Ein Vertrag ist kein Zeichen des Misstrauens. Er schützt beide Parteien — Sie und den Kunden. Sein Hauptzweck ist nicht, Konflikte zu lösen — sondern sie zu vermeiden.
Ohne Vertrag:
Der Kunde behauptet, dass Sie sich auf etwas anderes geeinigt haben, als Sie sich erinnern. Sie haben keinen Beweis für den vereinbarten Preis, den Umfang oder den Termin. Der Kunde möchte nicht zahlen und Sie haben keinen Hebel. Der Umfang des Projekts erweitert sich ständig ohne Preisänderung. Wer besitzt das Ergebnis der Arbeit? Niemand weiß es.
Mit Vertrag:
Alles ist schriftlich festgehalten. Wenn es zu Unstimmigkeiten kommt, schauen beide in den Vertrag. Ende der Diskussion.
Ein Vertrag muss kein formelles juristisches Dokument sein. Eine E-Mail, in der Sie die Bedingungen klar beschreiben und der Kunde mit „einverstanden" antwortet, ist in den meisten europäischen Ländern rechtlich bindend. Natürlich ist ein formeller Vertrag mit Unterschriften stärker — aber auch eine bestätigte E-Mail ist besser als nichts.
2. Was ein Vertrag enthalten muss (7 Punkte, nicht mehr)
Sie benötigen keinen 20-seitigen Vertrag mit juristischem Fachjargon. Sie benötigen 7 klare Punkte:
Punkt 1: Wer mit wem.
Ihr Name/Firma, USt-IdNr. (falls vorhanden), Adresse. Name des Kunden/Firma, USt-IdNr., Adresse. Wer ist die Kontaktperson auf Seiten des Kunden.
Punkt 2: Was genau Sie tun.
Eine spezifische Beschreibung der Arbeit. Nicht „Marketingdienstleistungen" — sondern „Einrichtung und Verwaltung von 2 Google Ads-Kampagnen für die Suche, wöchentliche Optimierung, monatlicher Bericht mit wichtigen Kennzahlen." Je genauer Sie es beschreiben, desto weniger Missverständnisse.
Punkt 3: Was Sie nicht tun (optional, aber empfohlen).
„Dieser Vertrag umfasst nicht die Erstellung von Grafiken, Texte für die Website oder die Verwaltung von sozialen Medien." Dies verhindert Anforderungen wie „aber ich dachte, das wäre im Preis enthalten."
Punkt 4: Preis und Zahlungsbedingungen.
Gesamtpreis des Projekts oder monatlicher Preis für das Retainer. Anzahlung vor Beginn der Arbeit (Empfehlung: 30–50 %). Fälligkeit der Rechnungen (7, 14 oder 30 Tage). Zahlungsmethode (Banküberweisung, Stripe...). Was passiert bei verspäteter Zahlung (optional — z.B. „bei verspäteter Zahlung über 14 Tage behalte ich mir das Recht vor, die Arbeit auszusetzen").
Punkt 5: Fristen und Meilensteine.
Wann das Projekt beginnt. Wann es abgeschlossen sein wird. Wenn das Projekt länger dauert — was die Meilensteine sind. „Erster Entwurf bis [Datum]. Erste Runde der Überarbeitungen bis [Datum]. Finale Version bis [Datum]."
Punkt 6: Überarbeitungen.
Wie viele Runden von Überarbeitungen sind im Preis enthalten. „Im Preis sind 2 Runden von Überarbeitungen enthalten. Weitere Überarbeitungen kosten [Betrag] pro Runde." Was als Überarbeitung vs. neue Anforderung gilt.
Punkt 7: Eigentum des Ergebnisses.
Wer besitzt das finale Ergebnis? Normalerweise: Der Kunde besitzt das Ergebnis nach Zahlung des vollen Preises. Bis zur Zahlung besitzen Sie das Ergebnis. „Alle Rechte an den finalen Ergebnissen gehen an den Kunden nach Zahlung des vollen Preises über."
3. Bonuspunkte (Wenn Sie gründlicher sein möchten)
Für größere Projekte oder langfristige Kooperationen sollten Sie in Betracht ziehen, Folgendes hinzuzufügen:
Kommunikation. Wie Sie kommunizieren werden (E-Mail, Slack, Telefon). Was die erwartete Reaktionszeit auf beiden Seiten ist.
Vertraulichkeit. „Beide Parteien verpflichten sich, vertrauliche Informationen, die während der Zusammenarbeit erhalten wurden, nicht offenzulegen." Einfach, aber wichtig — besonders wenn Sie Zugang zu Unternehmensdaten, Konten oder Strategien haben.
Beendigung der Zusammenarbeit. Unter welchen Bedingungen kann jede Partei die Zusammenarbeit beenden. „Jede Partei kann den Vertrag mit einer Kündigungsfrist von 30 Tagen schriftlich kündigen. Im Falle einer Kündigung verpflichtet sich der Kunde, alle bisher geleisteten Arbeiten zu bezahlen."
Verwendung im Portfolio. „Der Dienstleister behält sich das Recht vor, die Arbeitsergebnisse in seinem Portfolio zu verwenden, sofern die Parteien nichts anderes vereinbart haben."
4. Wie es in der Praxis aussieht (Vorlage)
Hier ist eine vereinfachte Vorlage, die Sie für Ihr Projekt anpassen können:
DIE DIENSTLEISTUNGSVERTRAG
Lieferant: [Ihr Name/Firma], USt-IdNr.: [Nummer], Sitz: [Adresse] Kunde: [Name/Firma], USt-IdNr.: [Nummer], Sitz: [Adresse] Kontaktperson: [Name, E-Mail, Telefon]
Gegenstand des Vertrages: Der Lieferant verpflichtet sich, für den Kunden folgende Arbeiten auszuführen: [konkrete Beschreibung — z.B. „Einrichtung und Verwaltung von 2 Google Ads-Kampagnen für die Suche, einschließlich Keyword-Recherche, Erstellung von Anzeigen, Optimierung und monatlichem Bericht."]
Der Umfang der Arbeiten umfasst nicht: [Was Sie nicht tun — z.B. „Die Erstellung von Grafiken, Texte für Landing Pages und die Verwaltung von sozialen Medien sind nicht Teil dieses Vertrages."]
Preis und Zahlungsbedingungen: Gesamtpreis: [Betrag] € inkl. MwSt. / ohne MwSt. Anzahlung: [30–50 %] fällig vor Beginn der Arbeiten. Restbetrag: fällig innerhalb von [Anzahl] Tagen nach Übergabe des finalen Ergebnisses.
Fristen: Beginn der Arbeiten: [Datum]. Übergabe des finalen Ergebnisses: [Datum].
Überarbeitungen: Im Preis sind [2] Runden von Überarbeitungen enthalten. Weitere Überarbeitungen kosten [Betrag] € pro Runde.
Eigentum: Alle Rechte an den finalen Ergebnissen gehen an den Kunden nach Zahlung des vollen Preises über.
Beendigung: Jede Partei kann den Vertrag schriftlich mit einer Kündigungsfrist von [30] Tagen kündigen. Im Falle einer Kündigung verpflichtet sich der Kunde, alle bisher geleisteten Arbeiten zu bezahlen.
Datum: [Datum]
Lieferant: _________________ Kunde: _________________
Das ist alles. Eine Seite A4. Keine juristische Sprache. Klar, verständlich und anwendbar.
5. E-Mail statt Vertrag (Wenn der Kunde keine „Papierkram" möchte)
Einige Kunden mögen keine formellen Verträge — sie empfinden sie als unnötige Komplikation. In diesem Fall senden Sie die Bedingungen per E-Mail.
Beispiel:
„Guten Tag [Name], danke für Ihr Vertrauen. Vor Beginn der Arbeiten möchte ich unsere vereinbarten Bedingungen zusammenfassen: [Umfang, Preis, Fristen, Überarbeitungen, Zahlungsbedingungen — dieselben Punkte wie im Vertrag]. Wenn das für Sie in Ordnung ist, bestätigen Sie bitte mit einer Antwort auf diese E-Mail, und wir können beginnen."
Wenn der Kunde mit „einverstanden" oder „passt" antwortet — haben Sie eine schriftliche Bestätigung der Vereinbarung. Es ist nicht so stark wie ein unterschriebener Vertrag, aber es ist deutlich besser als nichts.
6. Wann Sie wirklich einen Anwalt benötigen
Ein einfacher Vertrag für ein Freelance-Projekt im Wert von 500–5.000 € erfordert normalerweise keinen Anwalt. Aber es gibt Situationen, in denen rechtliche Hilfe eine sinnvolle Investition ist:
Das Projekt hat einen hohen Wert (10.000+ €). Ein Fehler im Vertrag kann Tausende kosten.
Der Kunde verlangt einen eigenen Vertrag. Wenn ein Unternehmen seinen Vertrag zur Unterschrift sendet — lesen Sie ihn sorgfältig durch. Wenn Sie etwas nicht verstehen, konsultieren Sie einen Anwalt.
Komplexes Projekt mit mehreren Lieferanten. Wenn Sie mit anderen Freelancern an einem Projekt zusammenarbeiten, müssen die Verantwortlichkeiten klar verteilt sein.
Internationale Zusammenarbeit. Wenn Sie mit einem Kunden in einem anderen Land arbeiten, können rechtliche Fragen (Gerichtsbarkeit, anwendbares Recht) komplizierter sein.
Für andere Situationen reicht ein einfacher Vertrag oder eine bestätigte E-Mail aus.
7. Vertrag als Teil des professionellen Prozesses
Ein Vertrag ist kein „extra Schritt", der aufhält. Er ist Teil Ihres Prozesses — genau wie die Einführungs-E-Mail, das Sammeln von Unterlagen und die Übergabe des Projekts.
Ihr Prozess sollte so aussehen:
Angebot → Bestätigung → Vertrag/E-Mail mit Bedingungen → Anzahlung → Arbeitsbeginn → Laufende Kommunikation → Übergabe → Rechnung für den Restbetrag → Referenz.
Wenn Sie diesen Prozess etabliert haben, verläuft jedes neue Projekt gleich — ohne Improvisation, ohne Missverständnisse und ohne unangenehme Überraschungen.
Bei DataSend.ai können Sie den gesamten Prozess in der Pipeline verfolgen — vom ersten Kontakt über das Angebot bis hin zum unterschriebenen Vertrag und zur Rechnungsstellung. Alle Notizen und Phasen an einem Ort.
Fazit: 5 Minuten für einen Vertrag sparen Ihnen 5 Monate Probleme
Ein einfacher Vertrag dauert 15–30 Minuten. Eine E-Mail mit den Bedingungen zur Bestätigung dauert 5 Minuten. Ein Streit ohne jeglichen schriftlichen Beweis dauert Wochen oder Monate — und kostet Nerven, Geld und die Beziehung zum Kunden.
Ein Vertrag ist nicht ein Zeichen des Misstrauens. Er ist ein Zeichen von Professionalität. Und Professionalität ist das, was einen Freelancer, der verdient, von einem Freelancer unterscheidet, der hofft.
Wollen Sie einen professionellen Prozess vom ersten Kontakt bis zum Vertrag haben? DataSend.ai — eine Datenbank von Unternehmen, E-Mail-Kampagnen und Pipeline an einem Ort. Vom ersten E-Mail bis zum unterzeichneten Projekt.
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